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#kreationtrotzisolation: Wie man als Agentur mit dem «new normal» umgeht

Thomas Steiner, Chief Operating Officer
bei Jung von Matt/Limmat

Eine Vielzahl an Organisationsstrukturen, Prozessabläufe und eingespielte Verhaltensmuster werden durch die aktuelle Krise in Frage gestellt. Vieles, was bisher galt, hat keine Gültigkeit mehr. Doch auch in dieser volatilen Zeit gibt es Konstanten im Agenturalltag: Ein enger und offener Austausch, ein flexibles Mindset, eine kollaborative Arbeitsweise und die Nähe zu den Kundinnen und Kunden helfen Agenturen, diese Krise erfolgreich zu bewältigen.

Ein aktuell sehr beliebter Witz im Internet ist: Wer hat in eurem Unternehmen die digitale Transformation vorangetrieben: der CEO, der CTO oder Covid-19? Zugegeben, die aktuelle Krise ist ein Beschleuniger für viele Entwicklungen. Doch auf der grünen Wiese wächst auch durch Corona keine digitale Traumwelt. Und: Digitale Strukturen alleine machen Unternehmen in diesen Zeiten nicht per se erfolgreich. Vielmehr geht es darum, etablierte Zusammenarbeits- und Verhaltensformen so natürlich wie möglich in eine Welt zu verschieben, in der man sich nicht mehr gegenseitig in die Augen, sondern einseitig in den Bildschirm schaut. Digitale Lösungen befreien Unternehmen nicht von der Aufgabe, Organisations- und Prozesstrukturen so aufzubauen und eine Unternehmenskultur so zu etablieren, dass die Arbeit in Zeiten von Home Office nicht so stark an Nähe und gegenseitigem Verständnis verliert, dass es zu einem produktiven Stillstand kommt.

 

Nähe institutionalisieren

Während man sich prä-Corona von Tag zu Tag gemäss Kalendereintrag oder spontan traf und sich so organisch ein Zusammengehörigkeitsgefühl etablierte, steht im Moment das Institutionaliseren von Nähe im Zentrum. Heisst: Tägliche Team-Videocalls als Daily Standups, ein regelmässiger Managementaustausch und auch gemeinsame Kaffee- oder Mittagspausen (vor den Bildschirmen) sind zu unerlässlichen Gefässen geworden.

In Meetings sollte einerseits Zeit einberechnet werden für Unvorhergesehenes und Zwischenmenschliches, andererseits sind Führung, Struktur und Orientierung für ein produktives Meeting noch wichtiger als sonst. Eine klare Zielsetzung mit geteilten Traktanden, eine aktive Moderator*in und geteilte Dokumente oder Screens, auf die alle Meeting-Teilnehmenden gemeinsam blicken und darin arbeiten können, sorgen dafür, dass auch ohne gemeinsame Anwesenheit ein Meeting produktiv, konstruktiv und effizient verläuft.

Auch bewusste Pausen zwischen verschiedenen Video-Calls sind wichtig. Bei Jung von Matt lädt ein virtueller Pausenraum den ganzen Tag zu gemeinsamen Pausen ein. Man loggt sich ein, wenn einem nach Austausch oder Ablenkung ist, und hält einen Schwatz mit den Personen, die man dort trifft. So wie man das auch in der Agentur bei der Kaffeemaschine macht. Der gemeinsame Apéro am Freitagabend ist ein Ritual, das auch in Home-Office-Zeiten nicht an Kraft verliert. Ganz im Gegenteil: Gemeinsame Fixpunkte werden plötzlich viel verbindender und verbindlicher.

 

Kreatives Potential digitalisieren

Unser Creative Collaboration Compass ist das Prozessmodell, nach dem wir intern und mit unseren Kunden zusammenarbeiten und gemeinsam Lösungen kreieren. Eingespielte Teams und das gemeinsame Verständnis für Rollen und Aufgaben bleiben auch in Home- Office-Zeiten bestehen und beweisen hier sogar ihre ganze Tragweite. Herausfordernd ist vorallem, den Spirit von Kreativ-Sessions auch dann zu leben, wenn alle Teilnehmer in ihren heimischen Stuben sitzen. Doch auch hier gilt analog wie digital: Viele Perspektiven vermischen sich zu einem runden Ganzen. Dafür braucht es weder einen physischen Raum noch physisch anwesende Teams. Kreativität beginnt in den Köpfen und diese bleiben verbunden. Tools helfen aber auch hier. Sind es sonst Whiteboards in inspirierenden Räumen, sind es aktuell Ideation & Brainstorming-Boards von Miro oder Mural.

 

Co-Creation intensivieren

All diese Organisationsformen, Prozesse und Bemühungen sind natürlich kein Selbstzweck. Ihr volles Potential entfalten sie erst in der Zusammenarbeit mit unseren Kundinnen und Kunden. Auch hier gilt: Was bereits etabliert, eingespielt und gleichzeitig agil ist, lässt sich meist viel einfacher in ein «new normal» übersetzen. Unsere Kundinnen und Kunden sind in unserem Co-Creation-Prozess weitere Mitglieder des Projektteams. Grenzen verschwimmen, Ideen vermischen sich unhierarchisch, im Ping Pong entwickeln wir partnerschaftlich Konzepte. Diese eingespielte Zusammenarbeitsform erlebt durch die aktuelle Krise noch einmal einen Intensivierungsschub: Dass wir gerade alle in einer aussergewöhnlichen und mehr oder weniger gleichen Situation sind, lässt letzte Bedenken gegenüber der Co-Creation schneller verschwinden und erhöht die Offenheit aller Beteiligten.

 

«the new normal» integrieren

Wir erleben die aktuelle Krise als Herausforderung, wie die meisten Menschen, Unternehmen und Staaten auch. Eine noch nie dagewesene Veränderung in unserem privaten und beruflichen Leben stellt vieles in Frage und rückt einiges in ein neues Licht.

Als Agentur versuchen wir deshalb, die neuen Spielregeln, das «new normal» in unseren Agenturalltag zu integrieren und unseren Agenturalltag gleichzeitig so weit wie möglich zu digitalisieren.

Wir möchten nichts von unserem Zusammengehörigkeitsgefühl verlieren. Auch in dieser Krise sind in wir eine Agentur, die nur gemeinsam das Bestmögliche erreicht und darum sagen wir: #kreationtrotzisolation und zwar mit Offenheit, gegenseitigem Verständnis und dem gleichen Anspruch wie bisher: Wir inspirieren Menschen und Marken.